Deine Stimme zählt.
Deine Sicherheit auch.
Praktische Ratschläge für friedliche Demonstrationen — für dich, deine Gruppe und alle, die gemeinsam mit dir unterwegs sind.
Gut vorbereitet. Frei bewegt.
Vor der Demo: Dein persönlicher Plan
Gute Vorbereitung gibt dir Freiraum. Du musst nicht an alles denken, aber die wichtigsten Dinge solltest du vor dem Losgehen klären.
- Wetter, Veranstaltungsort, Weg und Rückweg prüfen. Plane genügend Zeit und eine alternative Heimreise.
- Lade dein Handy vollständig, sichere wichtige Kontakte und nimm eine geladene Powerbank mit.
- Vereinbare mit deiner Gruppe einen Treffpunkt, einen zweiten Sammelpunkt und eine Uhrzeit für die Rückkehr.
- Sage einer Vertrauensperson, wo du bist und wann du dich wieder meldest.
- Nimm nur mit, was du wirklich brauchst. Wasser, kleiner Snack, Taschentücher und persönliche Medikamente gehören oft dazu.
Deine Gruppe: Gemeinsam statt allein
Eine kleine, gut abgestimmte Gruppe kann Stress reduzieren und verhindern, dass jemand allein zurückbleibt.
- Bleibt in Sicht- oder Hörweite und vereinbart einfache Zeichen für Weitergehen, Pause und Zusammenkommen.
- Verteilt Rollen nur, wenn das hilft: Orientierung, Kontakt zur Vertrauensperson oder Blick auf die Gruppe.
- Achtet auf unterschiedliches Tempo, Erfahrung und Belastbarkeit. Niemand muss sich überfordern, um mitzuhalten.
- Wenn ihr euch verliert: nicht hektisch suchen, sondern zum vereinbarten Sammelpunkt gehen und Kontakt aufnehmen.
- Fragt euch gegenseitig regelmäßig, ob alles okay ist. Auch ein früher gemeinsamer Rückzug ist eine gute Entscheidung.
Auf der Demo: Orientierung & Deeskalation
Du kannst nicht alles um dich herum kontrollieren. Du kannst aber aufmerksam bleiben und deine eigenen Entscheidungen bewusst treffen.
- Beobachte Eingänge, Ausgänge, freie Wege und ruhige Bereiche. Vermeide es, in beengte Situationen hineinzudrängen.
- Bleib rücksichtsvoll gegenüber anderen Teilnehmenden, Anwohnenden und Einsatzkräften. Gefährde niemanden.
- Wenn Stimmung kippt oder Menschen drängen: Abstand gewinnen, Gruppe zusammenhalten und ruhig in einen freieren Bereich gehen.
- Nimm Rücksicht auf Kinder, ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Mach Platz, wenn jemand Hilfe braucht.
- Pausen sind kein Zeichen von Schwäche. Trink etwas, iss eine Kleinigkeit und prüfe, wie du dich fühlst.
Erste Hilfe: Sicher handeln
Hilfe beginnt nicht mit einem spektakulären Eingriff, sondern mit Ruhe, Eigensicherung und dem rechtzeitigen Holen professioneller Unterstützung.
- Prüfe zuerst deine eigene Sicherheit und die der Umgebung. Begib dich nicht zusätzlich in Gefahr.
- Sprich die betroffene Person an und prüfe, ob sie reagiert. Hole früh weitere Menschen und professionelle Hilfe dazu.
- Verwende die lokale Notrufnummer. Beschreibe Ort, Situation und Zustand so ruhig und konkret wie möglich.
- Starke Blutung? Wenn du entsprechend geschult bist, hilf mit festem, direktem Druck und einem sauberen Druckverband.
- Bei Atemnot oder Reizstoffen: In einen Bereich mit frischer Luft kommen, enge Kleidung lockern und medizinische Hilfe holen. Keine ungeprüften Hausmittel.
- Arbeite nur innerhalb deiner Ausbildung. Ein Erste-Hilfe-Kurs vorher ist wertvoller als improvisiertes Handeln im Ernstfall.
Wenn jemand zusammenbricht oder panisch wird
Nicht jede belastende Situation ist sofort sichtbar. Ruhige Ansprache und ein geschützter Rahmen können helfen.
- Sprich ruhig, stelle dich mit Namen vor und frage, was gerade benötigt wird. Nicht bedrängen oder von mehreren Seiten ansprechen.
- Hilf der Person, sich in einen ruhigeren Bereich zu setzen, sofern dies ohne Gefahr möglich ist.
- Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, Krampfanfall oder starker Verwirrung sofort professionelle Hilfe rufen.
- Bleib wenn möglich bei der Person, bis Hilfe eintrifft, und schaffe Umstehenden Platz.
- Niemand muss allein mit einer Ausnahmesituation fertig werden.
Filmen, Fotografieren & Teilen
Dokumentation kann wichtig sein. Sie sollte aber keine zusätzlichen Risiken für erkennbare Menschen schaffen.
- Filme nicht in Notfallsituationen, wenn deine Hilfe sinnvoll und möglich ist. Rettungskräfte nicht behindern.
- Respektiere Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte. Verzichte auf Nahaufnahmen verletzter oder hilfloser Menschen.
- Prüfe vor dem Veröffentlichen, wer erkennbar ist und welche Folgen das für diese Person haben kann.
- Verwende keine Aufnahmen ohne passende Rechte und mache aus Betroffenen keine Werbemotive ohne deren Zustimmung.
- Bewahre Originaldateien und sachliche Kontextinformationen, statt Situationen durch falsche Beschreibungen zu verzerren.
Nach der Demo: Ankommen & Nachsorge
Der Tag endet nicht unbedingt mit dem Heimweg. Körper und Psyche brauchen manchmal erst später Aufmerksamkeit.
- Geh nach Möglichkeit gemeinsam zurück und bestätige in deiner Gruppe, dass alle sicher angekommen sind.
- Trink etwas, iss eine Kleinigkeit und ziehe nasse oder unbequeme Kleidung aus. Prüfe dich auf Druckstellen und Verletzungen.
- Auch scheinbar kleine Beschwerden können später stärker werden. Hole bei anhaltenden oder starken Symptomen medizinische Hilfe.
- Nimm belastende Erlebnisse ernst. Sprich mit Vertrauenspersonen und suche bei anhaltendem Stress professionelle Unterstützung.
- Besprecht sachlich: Was war gut vorbereitet, was hat nicht funktioniert und was ändert ihr beim nächsten Mal?
